Unser Verein


Vereinschronik

Man schrieb das Jahr 1910, als sich musikalisch interessierte Bürger Wilflingens entschlossen, einen Verein zu gründen dessen Zweck es ist, Tonkunst bildend zu verkünden, das gesellschaftliche Leben zu erhöhen und festliche Anlässe zu verschönern. Getragen von diesem Gedanken unterzeichneten am 4. Juli 1910 folgende Gründungsmitglieder die Statuten der Musikgesellschaft Wilflingen:

Alois Wurst, Anton Ehinger, Anselm Blumenschein, Wilhelm Single, Anton Reck, Eugen Gutknecht, Georg Beller, Theodor Gihr, Hermann Gihr, Albert Beller, Franz Baier, Fidel Schaut.

Als Vorstand wurde Karl Miller, als Dirigent Caspar Sauter aus Langenenslingen, als Kassier Georg Beller und als Schriftführer Theodor Gihr gewählt. Bereits ein knappes Jahr später gab der neugegründete Verein am Herz-Jesu-Fest ein Konzert im Gasthof zum „Löwen“, wozu jedermann freien Eintritt hatte.

Nachdem weitere Instrumente, u.a. eine große Trommel, angeschafft worden waren, gaben die Wilflinger Musikanten Konzerte in den drei Wilflinger Wirtshäusern („Löwen“, „Krone“, „Rössle“), spielten bei kirchlichen Anlässen und weltlichen Festen. Doch auch das gesellige Beisammensein kam nicht zu kurz: So wurden u.a. Ausflüge nach Upflamör, Hundersingen, Überlingen und Leutkirch veranstaltet.

Diese Blütezeit des Musikvereines Wilflingen wurde mit Ausbruch des 1. Weltkrieges jäh unterbrochen. Während des Krieges schickte der Verein jedem ausmarschierten Mitglied Liebesgaben. Fünf Mitglieder kehrten nicht mehr in die Heimat zurück. Zwei Mitglieder schieden durch Kriegsgebrechen aus.

Bereits im Mai 1919 beschlossen die gesund zurückgekehrten Musikanten unter dem früheren Dirigenten den Verein weiterzuführen. In den folgenden Jahren beteiligte sich der MV fast ausschließlich an örtlichen Festen und Feiern (Hochzeiten, Beerdigungen, Kirchenfesten). Besonders hervorzuheben ist die Mitwirkung beim Musikfest in Langenenslingen, wo sich die Kapelle einen 1a - Preis gegen die Konkurrenten aus Neufra, Pflummern und Uigendorf erspielte.

Musikkapelle Wilfingen 1930
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Im November 1934 sah sich der Verein gezwungen, eine Fruchtsammlung durchzuführen, um die Schulden vom Kauf eines Basses abzutragen. 1935 erspielte sich die Kapelle beim Wertungsspiel in Hohentengen die Note sehr gut mit Kranz und Urkunde. Dirigent war Xaver Späth. Bei dieser Veranstaltung wurden zum ersten Mal die neu angeschaffenen Mützen getragen. Wurden in früheren Jahren Ausflüge in die nähere Umgebung gemacht, ging’s 1935 erstmals mit dem Omnibus nach Oberstdorf. Dies war in damaliger Zeit ein wohl einmaliges Erlebnis für die 14 Mitglieder. Doch der Aufschwung in den 30-er Jahren war mit Ausbruch des 2. Weltkrieges beendet. Am 3. September 1939 waren bei der Primiz von Wilhelm Schaut (Pater Ambrosius) nur noch sechs Musikanten im Ort. Alle übrigen waren im Krieg. Nach dem Heldengedenktag 1940 ruhte das Vereinsleben.

Im Jahr 1946 spielte der Musikverein erstmals wieder bei einer Hochzeit. Nicht mehr dabei war Anton Buzengeiger, der im Krieg gefallen war. Drei Mitglieder befanden sich zu dieser Zeit noch in Gefangenschaft.

In den ersten Nachkriegsjahren war der Musikverein nur bei Veranstaltungen im örtlichen Bereich zu hören. 1955 übergab Hugo König das Amt des Schriftführers nach 22-jähriger Tätigkeit an Franz Reck. Der Verein bestand inzwischen wieder aus zwölf Mitgliedern. Im selben Jahr wurde ein zweitägiger Ausflug zunächst in den Schwarzwald, dann nach Heidelberg und Mentzing durchgeführt.

Musikkapelle Wilfingen 1957
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1960 übergab Franz Gihr die Geschäfte des Vorstandes und Kassiers an Kurt Buzengeiger. Franz Gihr war seit 1949 im Amt. Jahrelang dirigierte er die Kapelle, bis Bruno Käppeler diese Aufgabe übernahm.

In den folgenden Jahren gab die Kapelle bei allerlei Anlässen ihr Bestes: 1965 wurde ein Ausflug in den Schwarzwald durchgeführt, 1966 die Brauerei Ott in Schussenried besichtigt, 1967 das Deutsche Museum in München sowie der Starnberger- und Ammersee.

Musikkapelle Wilfingen 1967
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Im Jahr 1967 übernahm Anton Reck die Direktion der Kapelle. Gleichzeitig bildete er neun Jungmusikanten aus. Nachdem die Kapelle nun größer und leistungsfähiger war, wurde 1969 ein Konzert im Löwensaal veranstaltet. 1969, 70, 71 beteiligte sich die Kapelle bei Wertungsspielen anlässlich der Kreismusikfeste in Unlingen, Bingen und Uttenweiler. Dabei wurden gute Ergebnisse erzielt.

Anlässlich des Konzertes im Jahre 1970 stellte der Verein erstmals die neu gekauften Uniformen vor. 1972 wurden erneut Jungmusikanten aufgenommen, so dass die Kapelle nun aus 19 aktiven Musikanten bestand. Alljährlich wurden ein Gockel Paschen und eine Alteisensammlung durchgeführt. Außerdem standen Ausflüge nach Oberstdorf, in den Schwarzwald und an den Vilsalpsee/Tirol auf dem Programm. Bei der Generalversammlung im Jahr 1975 übergab Kurt Buzengeiger das Amt des Vorstandes nach 15-jähriger Tätigkeit an Robert Unger und die Amtsgeschäfte des Kassiers an Josef Reck. Franz Reck übergab das Schriftbuch nach 20 Jahren an Eugen Zeug.

Um die finanzielle Lage des Vereins aufzubessern, wurde im Jahre 1977 erstmals ein Gartenfest durchgeführt. Dieses Gartenfest wurde zu einem vollen Erfolg. Aufgrund der guten Erfahrungen wurde in den Folgejahren regelmäßig ein Sommer- bzw. Gartenfest veranstaltet. Auch das alle zwei Jahre stattfindende Gemeinschaftskonzert mit dem Gesangverein Frohsinn Wilflingen wurde fester Bestandteil im Programm des Musikvereins.

Vom 04. bis 07 Juli 1980 feierte der Musikverein sein 70-jähriges Jubiläum mit einem großen Fest. Fassanstich, Totengedenken, Festbankett, Zeltgottesdienst, Festumzug sowie Unterhaltungs- und Tanzabende standen auf dem Programm der 4-tägigen Feierlichkeiten. Trotz des großen Aufwandes für das Jubiläumsfest stand im Juli die Teilnahme am Kreismusikfest in Unlingen auf dem Programm, wo wiederum ein I. Rang erspielt wurde.

Bei der Versammlung im Jahr 1982 übernahm Werner Späth das Amt des Schriftführers von Hubert Gihr. Im März 1984 war der Musikverein beim „Morgenläuten“ des Südwestfunks im Radio zu hören.

Hohen Besuch konnten die Wilflinger Vereine am 30. März 1985 in Wilflingen begrüßen: Anlässlich des 90. Geburtstages von Ernst Jünger war der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl nach Wilflingen gekommen, um persönlich zu gratulieren. Der Biberach Kreismarsch, gespielt vom Musikverein, durfte bei diesem Ereignis nicht fehlen.

Im Jahr 1986 legte Dirigent Josef Wurst sein Amt nieder. Übergangsweise übernahm Anton Reck bis zum Ende des Jahres die Aufgabe des Dirigenten. Im Hinblick auf die im Jahr 1987 anstehende 900-Jahr-Feier von Wilflingen wurde die Leitung auf Musiklehrer Reinhold Gruber übertragen.

Vom 3. bis 6. Juli 1987 wurde anlässlich der 900-Jahr-Feier vom gesamten Dorf ein großes Heimat- und Musikfest unter der Federführung des Musikvereins gefeiert, welches für alle Beteiligten mit monatelangen Planungen verbunden war. Vorstand des Musikvereins war damals Josef Reck, der das Amt im Jahr 1983 von Robert Unger übernahm.

Nach einem enttäuschenden II. Rang beim Wertungsspiel in Dieterskirch beendete Reinhold Gruber seine Dirigententätigkeit. Anton Reck übernahm dieses Amt wieder.

In den ganzen Jahren war der Musikverein stets bei zahlreichen weltlichen und kirchlichen Auftritten aktiv. Hochzeitsständchen, Unterhaltung im Festzelt und Konzerte standen ebenso auf dem Programm wie Altmaterialsammlungen und die Teilnahme bei den Totenehrungen am Volkstrauertag. Die Gemeinschaftskonzerte mit dem Gesangverein erfreuten sich immer größerer Beliebtheit.

Josef Reck trat im Jahr 1989 als Vorstand des Vereins zurück. Sein Nachfolger wurde Konrad Mayer, der dieses Amt 1992 an Norbert Gihr übergab. Helmut Gihr stand seit dem Jahr 1993 an der Spitze der Kapelle.

Helmut Kohl und Francois Mitterand statteten Schriftsteller Ernst Jünger im Jahr 1993 einen Besuch ab. Der Musikverein begrüßte die beiden Staatsoberhäupter mit dem Biberacher Kreismarsch. Erstmal wurde im August 1993 ein Dorffest aller Wilflinger Vereine ausgerichtet. Aufgrund der sehr guten Resonanz ist das Dorffest bis heute aus dem Jahreskalender nicht mehr wegzudenken.

Beim Frühjahrskonzert im Jahr 1994 präsentierte der Musikverein erstmals seine neuen Trachten mit Dreispitzhut, grünen Jacken, roter Weste und schwarzer Hose.

Anlässlich des 100. Geburtstages von Ernst Jünger besuchte Helmut Kohl, begleitet von Bundespräsident Roman Herzog und Ministerpräsident Erwin Teufel, wieder einmal das kleine Dorf Wilflingen. Der Musikverein spielte für die vielen Geburtstagsgäste, Journalisten und Fernsehleute auf. Im Februar 1998 starb Ernst Jünger im Alter von 103 Jahren. Der Musikverein umrahmte mit Bürgerwehren und den anderen örtlichen Vereinen die Trauerfeier auf dem Wilflinger Friedhof.

Nach mehrjähriger Pause wurde im Jahr 2000 wieder ein Gemeinschaftskonzert mit dem Gesangverein durchgeführt. Im Jahr 2001 erspielte sich der Musikverein beim Wertungsspiel in Hörenhausen in der Unterstufe die Note „sehr gut“. Dirigent war dabei vertretungsweise Reiner Sigg.

Beim Konzert im Jahr 2002 konnte Kurt Buzengeiger als erster Wilflinger Musikant für 50-jährige aktive Tätigkeit ausgezeichnet werden. Der Ehrung folgte die Ernennung zum Ehrenmitglied des Musikvereins. Ihm folgte im Jahr 2006 Franz Reck und im Jahr 2008 Anselm Blumenschein.

Im Jahr 2002 wurde vom Musikverein erstmals ein Schlosshoffest veranstaltet. Der angebotene Ochs am Spieß fand reißenden Absatz. Das Schlosshoffest ist seither ein fester Bestandteil des Vereinsjahres geworden. Am Heilig Abend übergab Dirigent Anton Reck nach über 30 Jahren die musikalische Leitung der Kapelle an Reiner Sigg. Anton Reck wurde zum Ehrendirigenten ernannt.

Die Jahre 2003 und 2004 waren geprägt von den Umbauarbeiten am Rathaus Wilflingen. Unzählige Stunden der Eigenleistung verhalfen den Wilflinger Vereinen zu eigenen Räumen. So hat der Musikverein seit der Einweihung im Oktober 2004 im 1. Stock des sanierten Bürgerhauses ein eigenes Probelokal in dem neben den Proben auch Kameradschaftsabende abgehalten werden. Beim Wertungsspiel in Unlingen im Jahr 2005 ließ sich der Musikverein erstmal seit längerer Zeit in der Mittelstufe bewerten, Ergebnis: „sehr gut“.

Nach 14 Jahren im Amt stellte sich Helmut Gihr 2007 nicht mehr als 1. Vorsitzender zur Verfügung. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde Norbert Gihr zum 1. Vorsitzenden des Vereins gewählt. Werner Späth übergab das Amt des Schriftführers nach 25 Jahren an Christine Reck.

Dirigent Reiner Sigg verlässt 2008 die Musikkapelle gefolgt von Berthold Gihr welcher nun an im Musikverein Wilflingen den Takt vorgibt.

Der Musikverein Wilflingen feierte vom 26. – 28. Juni 2010 sein 100-jähriges Vereinsjubiläum. 100 Jahre im Leben eines Vereins bedeuten sehr viel. Es gab Freude und Leid, Höhen und Tiefen. Im kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Gemeinden stellen die Musikkapellen einen wichtigen Faktor dar. Dankbar gedenken wir rückblickend aller, die in 100 Jahren dem Verein als Vorstand, Dirigent, Schriftführer, Kassier und als aktive Musiker gedient haben. Danke auch allen Bürgerinnen und Bürgern, die den Verein tatkräftig unterstützt haben. Die Jubiläumsfeierlichkeiten stellten einen weiteren Höhepunkt in der Vereinsgeschichte dar. Beim Festbankett wurde dem Musikverein von Landrat Heiko Schneider die Pro-Musica-Plakette verliehen. Das eigentliche Festwochenende war geprägt vom Gemeinsamen Musizieren aller teilnehmenden Kapellen im Schlosshof der Familie von Stauffenberg sowie dem großen Umzug durch Wilflingen mit anschließendem Fahneneinmarsch.

Festwagen „100 Jahre MV Wilflingen
Festwagen „100 Jahre MV Wilflingen
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In den Jahren 2011 bis 2014 kehrte nach dem großen Jubiläum wieder das „normale Vereinsleben“ mit traditionellen weltlichen und kirchlichen Auftritten ein.

Ereignisreicher gestaltete sich das Jahr 2015. Bei der Generalversammlung wurde die Vereinsspitze neu aufgestellt. Nachdem der bisherige 1. Vorsitzende Norbert Gihr sein Amt zur Verfügung stellte, fiel die Wahl auf ein dreiköpfiges Vorstandsteam mit Florian Freiberg, Christian Bea und Stefan König.

Höhepunkt in diesem Jahr war sicherlich die Reise nach Rom. Dort gestaltete der Musikverein eine heilige Messe im Petersdom, sowie die Fronleichnamsprozession durch die Vatikanischen Gärten. Die Mächtigkeit des Vatikan und die Erlebnisse in der „Ewigen Stadt“ werden den Musikverein sicherlich noch eine ganze Zeit lang prägen.

Gruppenbild auf dem Petersplatz
Gruppenbild auf dem Petersplatz
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